Partielles Relining: Mittel klug wählen

Die Prinzipien des Relinings in der kostenbewussten Kanalsanierung gleichen denen der minimalinvasiven Chirurgie: wenig schneiden, großen Nutzen erzielen.

Angetrieben durch die Pflicht zur Kontrolle ihrer Anlagen der Abwasserentsorgung stehen kommunale Entscheider vor der Frage: Sanieren oder neu bauen? Angesichts der rund 400 000 Kilometer öffentlichen deutschen Kanalnetzes für viele ein Horrorszenario. Die TV-Inspektion zeigt, dass zwischen „alles okay“ und „ein Fass ohne Boden“ alles drin ist.

Die Sanierung begrenzter Rohrabschnitte mithilfe von Kurzlinern und Hutprofilen ist ein technisch anerkanntes Verfahren. Foto: Schwalm

Sofortmaßnahmen können vom Gesetzgeber erzwungen werden. Denn das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) klassifiziert die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs nach der Abwasserqualität und dem Gefährdungspotenzial für Grundwasser und Umwelt. Ein neuer Kanal erscheint auf den ersten Blick als Ideallösung. Kosten und Verkehrsbeeinträchtigungen sprechen dagegen. Bevor man saniert, sollte man grundsätzlich die Hydraulik eines Entwässerungssystems unter die Lupe nehmen. Erweist sich eine Kanalisation als unterdimensioniert, wird man um den Neubau mittel- bis langfristig nicht herumkommen. Haushaltsmittel, Kosten-Nutzen-Erwägungen und das Vertrauen in technische Möglichkeiten entscheiden mit über die Maßnahmen. Persönliche Überzeugungen und Erfahrungen spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die originale Bausubstanz von innen mit einem Fremdkörper zu verkleiden, weckt bei manchem die Vorstellung von Flickschusterei. Dieses Relining ist heute jedoch als preiswertes Verfahren ingenieurtechnisch anerkannt.

Strumpf im Kanal

Man unterscheidet das Relining eines kompletten Kanals vom abschnittsweisen Auskleiden mit Kurzlinern. Die Lebensdauer eines Kurzliners beträgt 15 Jahre und mehr, bei fünf Jahren Gewährleistung. Die Kosten einer konventionellen Sanierung in offener Bauweise sind vier- bis fünfmal höher. Je nach Schadensdichte ist es vertretbar, innerhalb einer 40 bis 50 Meter langen Strecke vier bis sechs Kurzliner zu setzen. Bei mehr Schadensstellen entscheidet man sich in der Regel für die Inversion. Bei diesem Verfahren wird ein Liner wie ein langer Strumpf in das Kanalrohr eingezogen und kleidet so die gesamte Länge einer Haltung aus.

Schadhafte Kanalstellen von innen zu reparieren, erinnert an Verfahren der minimalinvasiven Chirurgie. Auch hier schneidet man möglichst wenig, schont den Patienten und führt die Operation von innen mit Spezialgerät und unter Monitorkontrolle aus. Selbst Tiefbaufirmen - traditionell mit Bagger und Pressluftmeißel bewaffnet - erweitern heute ihr Repertoire um die Sanierungsverfahren in geschlossener Bauweise. Auf der Fachmesse IFAT ENTSORGA 2004 wurde das Sanierungskonzept der Stadt München vorgestellt. Es hat ein Volumen von drei Milliarden Euro. Eine kleine osthessische Stadt hatte 2006 für den Neubau ihrer Kanalisation 15 Millionen Euro eingeplant. Angesichts knapper Haushaltsmittel ist das Relining mit Kurzlinern eine ernsthafte Alternative.

Martin Schwalm, Der Gemeinderat 01/2007


Schwalm Robotic GmbH Industriestraße 16 36251 Bad Hersfeld-Asbach Germany Telefon: +49 6621 79578-0 Telefax: +49 6621 79578-11