Qualität setzt sich durch. Interview mit Martin Schwalm

Martin Schwalm, Geschäftsführer der Schwalm-Kanalsanierung, Bad Hersfeld, über Qualitätssicherung bei der Kanalinspektion und -sanierung, den Nutzen von Kanalkatastern und die Trends der technischen Entwicklung von Inspektionswerkzeugen.

Herr Schwalm, die Kommunen sind an wirtschaftlichen Lösungen zur Werterhaltung der unterirdischen Infrastruktur interessiert. Worauf sollten sie deswegen schon bei der Auftragsvergabe etwa für Reinigungsleistungen achten?

Gute Qualität ist durchaus zu wirtschaftlichen Bedingungen machbar.
Problematisch wird es nur, wenn unter preiswert billig verstanden wird. Der Billigste arbeitet erfahrungsgemäß nicht mit der erforderlichen Sorgfalt. Preisstaffelungen sind ein weiteres Problem. Sie verleiten dazu, Preise möglichst niedrig anzusetzen, um in offenen Ausschreibungen zum Zug zu kommen. Bei beschränkten Ausschreibungen besteht immerhin die Chance, Projekte unter
solchen Anbietern zu vergeben, die sich in der Vergangenheit durch Sorgfalt hervorgetan haben. Jeder Kommune ist zu empfehlen, ein Kanalkataster anzulegen. Das ermöglicht gezieltes Arbeiten und hält die Kosten niedrig.

Welche Bemühungen werden in der Branche selbst unternommen, um Leistungsqualität zu sichern?

Traditionsbewusstsein, Selbstkritik und Eigenkontrolle sind wichtige Voraussetzungen für Qualität. Auftraggeber und Auftragnehmer müssen beharrlich darauf hinarbeiten, dass sich Qualität durchsetzt. Ohne Vertrauen geht es nicht. Preise allein sind kein Vertrauensbeweis.

Können Sie an einem Beispiel schildern, wie betriebliche Eigenkontrolle und Qualität für die Kommune zusammenhängen?

Bei TV-Untersuchungen sollte der Operator den Kanal mit den Augen eines Nichtfachmanns sehen. Als Operator weiß ich zwar, ob das, was ich auf dem Bildschirm sehe, Spinngewebe oder ein Riss ist. Aber ich kann es nicht vom Ungeübten erwarten. Also muss ich nachvollziehbare Bilder machen und keine ruckartigen und kurzen Kameraschwenks. Die Abwassertechnische Vereinigung schreibt eine Fahrgeschwindigkeit des Kameraroboters von maximal 15 cm pro Sekunde vor und fordert eine dem Objektzustand angepasste Arbeitsweise. Das ist einerseits exakt, andererseits auslegungsbedürftig. Es liegt in der Verantwortung des Operators brauchbares Bildmaterial anzufertigen.

Viele Gemeinden stehen vor der Aufgabe, im Rahmen der Umstellung auf die Doppik das öffentliche Anlagevermögen zu erfassen und zu bewerten. Welche Bedeutung kommt dabei den Daten zu, die etwa im Rahmen von systematischer Kanalinspektion gewonnen werden?

Im Gegensatz zu Plänen erfassen Kanalinspektionen den tatsächlichen Zustand. Das macht sie so wichtig. Die Befunde fließen im Idealfall in ein Kanalkataster ein, das Schwachstellen dokumentiert, Stellen im Netz also, an denen zum Beispiel gehäuft mit Reinigungsbedarf zu rechnen ist, etwa nach starkem Regen. Neben diesem technischen Grund sind die gewonnenen Daten aber auch von ökonomischer Bedeutung, weil sie eine genaue Planung kommunaler Haushaltsmittel unterstützen.

Es ist nicht sinnvoll, bei jeder Kanalinspektion aufs Neue die dazu notwendigen Daten zu ermitteln. Zu welchem Vorgehen raten Sie Netzbetreibern, die einen zuverlässigen und ausbaufähigen Datenbestand ihres Netzes aufbauen wollen?

Führt man Kanalinspektionen nur punktuell und chaotisch durch, hält man die Inspektionskosten zwar niedrig, erhält aber kein Gesamtbild der Faktenlage. Ein realistisches Gesamtbild ist aber gerade Sinn einer jeden Kanalinspektion. Eine systematische Untersuchung eines Netzes kann abwasserstrang- oder gebietsbezogen gemacht werden. Grundsätzlich sollte ein Konzept entwickelt werden, wie das gesamte Inspektionsvolumen zeitlich aufgeteilt werden soll.

Bei der Kanalinspektion und -sanierung wird gefilmt, gefräst, gebürstet, gespült. Wohin geht die Entwicklung neuer Werkzeuge?

Nun, die Automatisierung wird weiter voranschreiten. Fachkräfte werden also zunehmend Maschinen bedienen. Eine Höherqualifizierung ist die Folge. Seit etwa vier Jahren gibt es die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, ein Ausbildungsberuf, der dieser Entwicklung Rechnung trägt. Generell darf man erwarten, dass die Sanierungsverfahren in geschlossener Bauweise verfeinert werden. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den Verfahren in offener Bauweise ist, dass rote Ampeln, Straßensperren und Umleitungen vermieden werden. Denn wer ermittelt die indirekten Kosten, die durch solche Verkehrsbeeinflussungen entstehen? Für Kommunen bedeutet das mehr Kostentransparenz.

Aus den Augen, aus dem Sinn … Wie sehen Sie den Zustand unserer Abwasserkanäle?

Dank der Eigenkontrollverordnung ist eine positive Entwicklung zu vorschriftskonformen Abwassersystemen abzulesen. Es ist aber eine Illusion, dass man ein einwandfreies Kanalnetz schaffen kann. Oft wird eine Güterabwägung zu treffen sein: Wiederherstellung des wünschenswerten teureren Sollzustandes oder die tolerierbaren Folgen bei unterlassener Sanierung hinnehmen, dafür aber sparen.

Interview: Jörg Benzing

Der Gemeinderat spezial 10/2006


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