Grabenlos saniert

Flughafen Frankfurt: Kanal am Flugsteig A-Plus durchbohrt

Thomas Brauneis (Kanalservice Brauneis), Reinhard Herwig (RKI-Fachkraft Schwalm), Ralf Brauneis (Junior-Chef Brauneis), Michael Maul (Teamleiter Schwalm), Christian Englert (Bauleiter Fraport), v.l.n.r.

Ein Abwasserkanal auf dem Rollfeld des Terminals 1 wurde beim Bau des Erweiterungsbaus A-Plus mit unterirdischen Stahlseilen durchbohrt. Der neue Flugsteig A-Plus ging am 10. Oktober 2012 in Betrieb.

Kostenerwägungen und Zeitplanung veranlassten die Fraport AG, den Schaden mithilfe von Sanierungsrobotern zu reparieren. Ein Aufriss der Rollbahn konnte damit umgangen werden. Beauftragt wurde das Unternehmen Schwalm aus Bad Hersfeld. Die Arbeiten dauerten zweieinhalb Wochen.

Während der Baumaßnahmen für das neue Flughafenterminal A plus wurden Stahlseile zur Befestigung von Stahlspundwänden schräg ins Erdreich getrieben. Aufgrund von Unachtsamkeit, die genauen Umstände sind noch nicht geklärt, durchschossen einige dieser Stahlseile, im Fachjargon Ankerlitzen genannt, einen Abwasserkanal, der direkt vor dem Erweiterungsbau verläuft. Zur Veranschaulichung stelle man sich den Querschnitt des Kanalrohrs vor: die Ankerlitzen traten bei 11 Uhr ein und bei 5 Uhr wieder aus. Diese Sehnen aus Stahl behinderten damit aber den freien Abfluss im Kanal. Zudem war nun durch eben diese Löcher in der Rohrwand Beton in den Abwasserkanal geflossen. Den Beton hatte man im Erdreich verpresst, um die Ankerlitzen an ihrem Ende nach Dübelprinzip zu verankern. Das Erweiterungsgebäude ist längst fertig und wartet auf Inbetriebnahme. Die Ankerlitzen beließ man im Boden. Was man nicht wusste: sie steckten an einigen Stellen auch im Kanalrohr.

Im Zuge einer kameratechnischen Befahrung der Kanalisation wurde dieser Schaden nun im August 2012 entdeckt. Die Fraport lässt die gesamte Flughafenkanalisation nach der Eigenkontrollverordnung (EKVO) in regelmäßigen Abständen auf Dichtheit überprüfen. Zuständig bei der Fraport AG ist der Geschäftsbereich Handels- und Vermietungsmanagement. Jürgen Scheuring, Leiter des dortigen Fachbereichs Bedarf- und Netzmanagement Medien, sieht sich als Ver- und Entsorgungsunternehmen für den gesamten Flughafenbetrieb. Er betont, dass die Qualitätsstandards der Fraport in puncto Umwelttechnik und Wirtschaftlichkeit führend sind und höchsten Anforderungen gerecht werden.

Um in dem versperrten Kanalabschnitt wieder für ungehinderten Abfluss zu sorgen, mussten zunächst die Stahlseilstücke, die wie Sehnen das Rohr quer durchzogen, mit einem Roboter herausgeschnitten werden. Am Arbeitsarm des dafür eingesetzten Roboters Talpa FSR 2060, der Allrounder, der sich jeder Situation flexibel anpasst, war zu diesem Zweck ein Druckluft Winkelschleifer aufmontiert. Michael Maul und Reinhard Herwig , beide Fachkräfte für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, führten die Arbeiten für Schwalm durch. Die Facharbeiter arbeiteten sich Schritt für Schritt im Kanal vor. Sechs Stahlseilstücke mussten insgesamt herausgetrennt werden. Die inzwischen völlig verkrusteten Betonablagerungen wurden ebenfalls mithilfe des Roboters und einem Meißelvorsatz herausgestemmt. Von Etappe zu Etappe wurde der betroffene Kanalabschnitt mit Hochdruckspülung zwischengereinigt und der jeweilige Abraum abgesaugt. Hierfür stand ein Hochdruckspülfahrzeug der Firma Brauneis aus Hainburg bei Seligenstadt bereit. Nachdem der Kanal von seinen Hindernissen befreit war, wurden die durchlöcherten Rohrabschnitte mit kunstharzgetränktem ECR-Glasfaserlaminat, so genannten Kurzlinern, von innen dauerhaft abgedichtet und stabilisiert. Für Michael Maul, der die grabenlose Sanierung vor Ort federführend voranbrachte, war der Fraport-Einsatz Routine.

Christian Englert, Bauleiter der Fraport AG, unter dessen Aufsicht der zweieinhalbwöchige Sondereinsatz lief, dazu: "Am 10. Oktober 2012 ging der neue Flugsteig A plus in Betrieb. An diesem Abwasserkanal hingen wichtige Gebäudeabschnitte. Das grabenlose Verfahren sparte uns nicht nur Nerven, sondern vor allem Zeit und natürlich viel Geld."

Christian Englert (Fraport) und Michael Maul (Schwalm) am Steuerpult im Sanierungsfahrzeug von Schwalm
Fundstück: Im Verlauf der Sanierungsarbeiten aus dem Kanal geborgene Bohrkrone

Fraport AG, Handels- und Vermietungsmanagement, HVM-GT2 Christian Englert, Bauleiter Betrieb

Ausführende auf der Baustelle: Schwalm Kanalsanierung, Bad Hersfeld: Michael Maul (Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, Teamleiter), Reinhard Herwig (Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, Assistent)

Kanal-Service Brauneis (Hochdruckspüler), Hainburg/Seligenstadt: Ralf Brauneis (Junior-Chef, Fachkkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice), Thomas Brauneis (jüngerer Bruder von Ralf Brauneis, Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice)


Schwalm Robotic GmbH Industriestraße 16 36251 Bad Hersfeld-Asbach Germany Telefon: +49 6621 79578-0 Telefax: +49 6621 79578-11