On Tour mit Lothar Schwalm

GEMEINSAM SPÜLEN

Lothar Schwalm

Sie sind Helden, die nur wenige zu Gesicht bekommen: Unsere Kanalarbeiter. Viele Meter tief unter der Erde sorgen sie dafür, dass alles abläuft, was ablaufen muss - und das unter extrem körperlicher Anstrengung. Teilweise auf dem Bauch kriechend müssen sie sich durch die engsten Kanäle zwängen. Und behalten dabei dennoch ihre gute Laune. Von einem dieser Helden handelt diese Reportage

Alles klappt wie am Schnürchen: „Heute ist aber ein etwas ruhigerer Tag“, meint Lothar Schwalm, „obwohl er bereits zwei Aufträge in Ludwigsau erfolgreich erledigt hat. Es ist der 19. November 2014, ein kühler Novembertag, der Radiosender hatte nasskalte sechs bis maximal acht Grad Celsius angekündigt, als Tina Pfeiffer-Dresp, Pressestelle Schwalm, um 10.00 Uhr auf Lothar Schwalm an der bereits dritten Baustelle des heutigen Tages trifft, um einmal hautnah den Ablauf eines Arbeitstages auf dem Spüler mitzuerleben.

Lothar Schwalm, 50 Jahre, ist bereits seit 2006 bei Schwalm beschäftigt. Begonnen hat die berufliche Laufbahn des gelernten Betriebsschlossers in der Produktion bei der Schwalm Robotic, danach folgte sein Einsatz in der Kanalsanierung als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Seit nunmehr vier Jahren sitzt er morgens ab spätestens 7.00 Uhr arbeitstäglich in seinem Spüler, ein leistungsstarkes Hightech-Gefährt mit 320 PS. Wasserdruck bis 130 bar erlauben bei diesem Fahrzeug eine Pumpleistung von bis zu knapp 152 Liter/min. Damit räumt er öffentliche wie private Kanäle, Senk- und Sickergruben, Hausklär- und Abscheideanlagen. Und das Auftragsbuch quillt im wahrsten Sinne des Wortes über.

Als ich am vereinbarten Treffpunkt in Ludwigsau ankomme ist er bereits dabei, einen 150 Kilogramm schweren Kanaldeckel anzuheben, um an die darunterliegende, verstopfte Leitung zu gelangen. Diese befindet sich in der Garage eines Privathaushalts. Hauseigentümer nebst Tochter, und Bewohnerin des Hauses, sind mit dabei und bringen Licht ins Dunkel. Eine Taschenlampe hilft, dass Lothar Schwalm die verschlossene Leitung öffnen kann, um sich einen Überblick über die Verstopfung zu verschaffen. Er ist dabei ganz gelassen, denn es sieht so aus, dass er den Abfluss, der mit Ablagerungen und Feuchttüchern verstopft ist, mit einigen Hochdruck-Spülvorgängen kurzfristig wieder frei bekommt. Erleichterung macht sich breit. Souverän und mit fachmännischen Handgriffen bedient er seinen Spüler sowie das notwendige Equipment und hat trotz der sich jetzt in der Garage ausbreitenden unangenehmen Gerüche auch immer noch einen Scherz auf den Lippen.

 

Die Leitung wird mehrfach gespült, zur Kontrolle bittet Lothar Schwalm die Bewohnerin, ein farbiges, biologisch abbaubares Kontrastmittel in ihren Abfluss zu schütten. Kurze Zeit später läuft dieses durch den Hauptkanal der Straße. Das Problem ist gelöst, die Leitung wieder frei. Mit dem Hinweis darauf, was zukünftig nicht mehr in der Toilette heruntergespült werden sollte, verabschiedet sich Lothar Schwalm.  Alle sind zufrieden, der nächste Auftrag wartet bereits.

Auf dem Weg dorthin erzählt mir Lothar Schwalm, dass er sich im positiven Sinne gewundert habe, dass die vermeintliche Verursacherin der soeben behobenen Verstopfung mit dabei war und sich für seine Arbeiten interessiert habe. Normalerweise wäre das nicht der Fall. Wir kennen das, allem, was uns unangenehm ist, drehen wir gerne mal den Rücken zu.

Der nächste Einsatzort ist die Deponie des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Hier darf nicht fotografiert werden. Also lasse ich das und beobachte den hiesigen Auftrag ohne Blitzlichtgewitter. Lothar Schwalm ist hier bekannt, er wird freundlich begrüßt und sofort durchgewunken.  Einmal im Jahr entleert er hier die Sickergrube. Der Saugerschlauch wird herabgelassen, der Inhalt innerhalb von 15 Minuten aufgesaugt. Im Inneren des Spülers verschwinden 2,5 m3 Abwasser. 

Es ist 13.15 Uhr. Wir machen eine kleine Pause an einem auf dem Weg liegenden Imbiss. Normalerweise macht Lothar Schwalm keine Mittagspause, doch heute macht er eine Ausnahme. Beim Brötchen erzählt er von seinem Job, seinem Leben. „Ich bin gerne mit dem Spüler unterwegs, jeder Tag ist anders, somit abwechslungsreich. Ich erfreue mich sehr daran, gerade auch in Notfällen helfen zu können. Das für mich Wichtigste ist so lange dranzubleiben, bis das Problem gelöst ist. Natürlich ist es dann und wann auch ekelig. Das für mich persönlich Unangenehmste ist das Spülen von Fettabscheideanlagen. Das ist wirklich ein fürchterlicher Gestank.“ Als er mir das erzählt bin ich ehrlich gesagt schon ein wenig erleichtert, dass diese Tätigkeit auf der heutigen Auftragsliste nicht steht.

Gestärkt fahren wir mit dem auffälligen Spüler wieder los. Zum wiederholten Male winkt uns ein vorbeigehender Passant freundlich zu und zaubert ein Lächeln auf Lothar Schwalms Gesicht. Ja, man kennt ihn nicht nur im Umkreis, er wird auch von vielen Kunden für das was er tut, sehr geschätzt. Und irgendwie habe ich auch den Eindruck, als würde er sich freuen, auf seiner heutigen Tour Begleitung zu haben.

Unsere kurze Fahrt endet in der Bad Hersfelder Kläranlage. Das in der Deponie aufgenommene Abwasser wird hier zur Wiederaufbereitung abgelassen und frisches Spülwasser getankt.

 

Während des Tankens des Frischwassers erreicht Lothar Schwalm ein Anruf. Ein bestehender Kunde bittet ihn, vorbeizukommen. Kurzerhand wird umdisponiert. Wir passieren schmale, serpentinenartige Straßen und stoppen in einem Wohngebiet in Bad Hersfeld. Im Garten des Privathauses stehen Bagger und großes Werkzeug. Der Kellersockel des Hauses ist freigelegt, Abwasserrohre sind sichtbar. Das für die Dämmung des Hauses eingesetzte Paraffinharz hat sich durchs Mauerwerk gedrückt und die Abflussrohre verstopft. Das Unternehmen Maier Stein- und Pflasterarbeiten ist an diesem Tag vor Ort, um das Problem zu lösen. Ohne aber in die unter dem Haus liegenden Rohre schauen zu können, kann nicht gearbeitet werden. Mit dem Blick durch die mobile Kamera von Schwalm ins Innere der Leitungen ist Lothar Schwalm die Lösung. Bei Ansicht der Bilder ins Rohr wird gemeinsam beratschlagt, welche Bereiche des Kellerbodens aufgestemmt und mit neuen Rohren ausgestattet werden müssen. 

 

Auch wenn dieser Einsatz nicht allzu lang gedauert hat, mittlerweile ist es aber doch schon 15.00 Uhr.

Der nächste Tatort für Lothar Schwalm ist an diesem Tag eine Badewanne in einem Wohngebiet in Asbach. Ein junges Paar ist vor zwei Tagen in die neue Wohnung eingezogen und hat die Verstopfung festgestellt. Nur einige fachmännische Handgriffe und das Wasser fließt wieder. „Jetzt kann endlich geduscht werden“, freut sich die junge Mieterin. 

 

Lothar Schwalm war an diesem Tag neun Stunden unterwegs. Auf die Frage, ob denn jetzt Feierabend sei, antwortet er: „Auf dem Spüler ja, zuhause nein. Ich renoviere gerade und reiße gleich noch Tapeten ab.“ Um ihn also nicht noch länger aufzuhalten bedanke ich mich für die zahlreichen Einblicke, die er mir ermöglicht hat und winke seinem fahrbaren Hightech-Arbeitsplatz hinterher. Es ist bereits dunkel geworden und in Gedanken verneige ich mich vor der anspruchsvollen Arbeit eines Kanalarbeiters. 


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